Die Orgeln von St. Marien in Lemgo


Gleich zwei große Orgeln erwarten den Besucher. Die historische Schwalbennestorgel geht in ihrem Ursprung auf die Jahre 1587 und 1612/ 13 zurück. Die sinfonische Neue Orgel entstand 1975.

Die Alte Orgel

Als einen Denkmalswert hohen Ranges aus der Zeit um 1600 beherbergt die Kirche St. Marien eine Orgel, die schwalbennestartig das Ostgewölbe des nördlichen Seitenschiffes ziert. 
  • Schwalbennestorgel (nach der Bauform)
  • Springladenorgel (nach der seltenen Bauform der Windladen eben als Springladen)
  • Renaissance-Orgel (nach der Entstehungszeit)
  • Chororgel (nach dem Standort)

Alle diese Begriffe gemeinsam charakterisieren das Instrument.

Sie gibt nicht nur Zeugnis von der Wertschätzung, die die Kirche im ersten Jahrhundert nach der Reformation der musikalischen Kunst zuerkannte - sie wurde vielmehr seit ihrer Restaurierung im Jahr 1950 zum Zentrum eines neuen kirchenmusikalischen Lebens.
Diese waren Anlass für die ersten Lemgoer Orgeltage. Zunächst sollte hier nur ein einmaliges Fest um dieses Instrument gefeiert werden. Inzwischen ist daraus eine langjährige Tradition entstanden.

Rekonstruktion 2009-2010
Bei der "Schwalbennest-Orgel" handelt es sich um eine Renaissance-Orgel in Schwalbennestform.
Der Kern des Gehäuses stammt von der Orgel, die Georg Slegel, Mitglied der berühmten niederländischen Orgelbauerfamilie Slegel aus Zwolle, zwischen 1587 und 1595 schuf. Die Slegel-Orgel bildete einen Farbakzent innerhalb des Kirchenraumes (Rekonstruktion: siehe Publikation oder Informationsterminal).

Die heutigen Pedalwerke und die auffällige Schwalbennest-Empore entstanden im Zuge einer Modernisierung und Vergrößerung durch "Meister Fritse". Charakteristische Parallelen zwischen erhaltenen Orgelpfeifen der Lemgoer Orgel und denen der Tangermünder Scherer-Orgel haben alle Zuschreibungszweifel ausgeräumt: "Meister Fritse" war Fritz-Scherer aus der bedeutenden Hamburger Orgelbauerfamilie.

Im Verlaufe der Jahrhunderte wurde das Pfeifenwerk häufig verändert und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst, u. a. waren der Herforder Orgelbauer Christian Klausing und Friedrich Klaßmeyer aus Lerngo hier aktiv.

Paul Ott, Göttingen, hat in den 1950er und 1970er Jahren das Innenleben so grundlegend umgebaut, dass sich bis 2009 ein modernes Instrument in einem annähernd ungestörten Renaissance-Gehäuse befand.

Dem Elan des Kirchenvorstandsvorsitzenden Helmut Holländer und dem finanziellen Engagement zahlreicher Institutionen, Firmen und Einrichtungen sowie sehr vieler Gemeindemitglieder und der Gemeinde verbundener Einzelpersonen ist zu verdanken, dass über 500.000 € zusammen kamen und ein Rückbau in Angriff genommen werden konnte.

Die Orgelbaufirma Rowan West in Altenahr vollendete 2010 einen stilistisch-handwerklich vorbildlichen Rückbau. Ziel der Rekonstruktion war der Zustand von 1613 inklusive auch mechanisch zu betreibender Windanlage. Als Berater waren der niederländische Organologe Koos van de Linde und Vera Lüpkes, Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, Lemgo beteiligt.

Damit wird der Orgellandschaft WestfalenLippe ein großartiges Instrument zurückgegeben.

Die Schwalbennestorgel im aktuellen rekonstruierten Zustand: 



Disposition nach Rowan West, 2010:

















Hauptwerk: 
Praestant
Quintatien
Gedackt
Oktave
Hohlfloyte
Mixtur  2-6f
Cimbal 3-6f
Barpfeiff


8'
8'
8'
4'
4'
2'
1'
8'


  
Oberwerk
Praestant
Hohlpfeiff
Nasatt
Waldpfeiff
Cimbell
Trumpett
Zinke abf0


4'
8'
3'
2'
3f.
8'
8'
.

   Pedal
Bordaunen Baß
Gemshornflöte
Bassunen Baß
Trumpeten Baß
Cornet Baß


16'
1'
16'
8'
2'

  



Manualumfang: CDEFGA-c3
Pedalumfang: CDEFGA-d1
Koppel HW/Pedal
Tremulant
Sperrventile für Hauptwerk und Oberwerk

  

Die Neue Orgel


wurde 1974/75 von der Firma Paul Ott, Göttingen auf der Westempore der Kirche erbaut.

Disposition:

Hauptwerk
Pommer
Prinzipal
Rohrflöte
Oktave
Koppelflöte
Quinte
Oktave
Mixtur
Cornett
Trompete
Trompete
Tremulant


Koppel:
Trompetenwerk
Schwellwerk
Rückpositiv


16'
8'
8'
4'
4'
2 2/3'
2'
5-7f.
2-3f.
16'
8'

 

   Schwellwerk
Rohrgedackt
Holzprinzipal
Salicional
Schwebung
Oktave
Traversflöte
Nasat
Waldflöte
Terz
Sifflöte
Mixtur
Basson
Hautbois
Clarion
Tremulant

Koppel:
Trompetenwerk


16'
8'
8'
8'
4'
4'
2 2/3'
2'
1 3/5'
1'
5-6f.
16'
8'
4'

 

  Rückpositiv
Gedackt
Praestant
Rohrcopula
Schwiegel
Nasat
Scharff
Cromorne
Tremulant

Koppel:

Trompetenwerk
Schwellwerk

Trompetenwerk:
Trompete
Trompete
Trompete

 


8'
4'
4'
2'
1 1/3'
3-4f.
8'








16'
8'
4'

 

  Pedal
Prinzipal
Subbaß
Quintbaß
Oktave
Gedackt
Oktave
Nachthorn
Hintersatz
Posaune
Trompete
Tremulant


Koppeln:

Trompetenwerk
Schwellwerk
Hauptwerk
Rückpositiv


16'
16'
10 2/3'
8'
8'
4'
2'
6f.
16'
8'

Spielhilfen:
Heuss-Setzerkombination MP 92
5000 Speicherplätze
Schweller
Walze
Sequenzer

Tonumfang:
Manuale C - a''', Pedal C - g'
Technik:
Spieltraktur mechanisch
Schleiflade
mit elektrischer Registratur
Koppelanlage
elektro-magnetisch gesteuert
Registerzüge